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Lebe deinen Traum – Berliner Halbmarathon 2014

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hinten am Ende der Halle war die Ausgabe

Zum Berliner Halbmarathon wollte ich schon immer. Immer heißt für mich, seit ich laufe, also seit etwa 5 Jahren. Und da ich im letzten Jahr meinen ersten Halben über die Bühne brachte, entschloss ich mich im Herbst des Jahres, nach Berlin zu reisen, egal, ob jemand mitkommen würde, ich schaffte also Tatsachen und meldete mich an. Es kam niemand mit, Thorsten und Andreas wollten oder konnten nicht und der gesamte Lauftreff des ASC fährt an diesem Wochenende immer traditionell nach Venlo zum Venloop. Also musste ich alleine nach Berlin. Flug war schnell gebucht und das Hotel buchte ich erst vor ein paar Wochen, weil ich eigentlich vor hatte, bei einem Arbeitskollegen unterzukommen, aber ich entschied mich dann doch für das Hotel in Berlin-Kaulsdorf. Das liegt zwar ein wenig außerhalb – am Arsch der Welt – aber egal, es sollte ja auch nur eine Nacht werden.

Meine Vorbereitung war eigentlich sehr gut und besser als noch für meinen ersten Halben in Bochum am 1.September des letzten Jahres. ich bin oft 15 Kilometer und mehr in einer mehr als ordentlichen Zeit gelaufen. Am Ende lief ich die 15 Kilometer zweimal in einer hohen 1:22ziger Zeit. Das machte Hoffnung auf eine Zeit in Berlin unter 2 Stunden. Am Samstag morgen um 8:15 Uhr hob mein Flieger gen Berlin ab.

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auf dem Tempelhofer Flugfeld

In Berlin angekommen machte ich mich zuerst zu meinem Hotel auf, dass ein wenig außerhalb in Kaulsdorf lag. Als ich dort meinen Sachen aufs Zimmer gebracht hatte – klein aber fein – ging es auch schon wieder los. Ich wollte mich bei der Berlin Vital am Tempelhofer Flughafen mit Sabine, meiner Klassenkameradin treffen, die seit mehr als 20 Jahren in Berlin wohnt. Auf der Vital galt es für mich die Startunterlagen abzuholen. Vor dem Tempelhofer Flughafen war viel los, sehr viel und noch mehr in der Halle, wo ich meine Unterlagen abholen musste. Eine lange Schlange, die durch die ganze Halle ging hatte sich gebildet und wir mussten uns anstellen. Erst nach 30 Minuten konnte ich die erste Schranke passieren und dann galt es mich noch einmal anzustellen. Aber das war ok, denn bei 30000 Teilnehmern, ist das nicht anders zu stemmen. Danach führte mich Sabine in Berlin ein wenig rum, zuerst ging es nach Kreuzberg und als wir dann den Alex erreicht hatten, verabschiedeten wir uns.

Vor dem Rennen:

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Ich im Startbereich E

Ich war tierisch aufgeregt – warum eigentlich? – und schlief sehr schlecht, so war der Morgen sehr langsam und müde gekommen. Nach einem Kaffee und einem Brötchen mit Honig – ich hatte mal irgendwo gelesen, dass das ein gutes Frühstück wäre – machte ich mich auf den Weg zur S-Bahn in Kaulsdorf. Schon auf diesem kleinen Bahnhof merkte ich, was für ein großes Teilnehmerfeld mich erwarten würde: Von den sechs Leuten, die da auf dem Bahnsteig standen, hatten alle Halbmarathontaschen in der Hand… und so ging es dann auch weiter. Es stiegen immer mehr Läufer ein und am Ziel am Strausberger Platz war die Bahn mit Läufern überfüllt. Oben am Platz war es genauso, von weiten sah ich den Zielbereich, durch den Einlass ging ich direkt auf die Laster für die Kleideraufnahme zu. Aber zum Abgeben meiner Sachen war es eigentlich noch viel zu früh, so schaute ich mich etwas um. Viel gab es nicht zu sehen. Einige 100 Läufer standen noch an der Sartnummernausgabe an, ich vertrieb mir ein wenig die Zeit. Um 9:15 Uhr gab ich dann auch meine Sachen ab. Ich entschied mich dafür nicht mein Thermolaufshirt anzuziehen, sondern ich beließ es bei zwei Unterhemden und einem normalen Laufshirt. Diese Entscheidung sollte sich als „halbfalsch“ herausstellen, denn mit den zwei Unterhemden war ich eigentlich zu warm angezogen. Das Warten auf den Start verbrachte ich dann in meinem Startblock E, für den eingeteilt war. Mit der Zeit wurde er auch immer voller, so dass man sich noch nicht einmal einlaufen konnte. Ich stand halt in der Sonne und wartete mit den anderen 30000, dass es los ging.

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Der Startbereich

Der Start:

Der Start sollte in drei Wellen erfolgen. Vorne die erste, ich in der zweiten und hinter mir dann der Rest des Feldes. Doch bis ich die Startlinie erreicht hatte, sollte es bestimmt 10:30 Uhr werden. Als ich dann diese ominöse Linie überquert hatte, ging es auch gut los. Da die Straße breit war, war es auch kein Problem an den langsameren Läufern vor mir vorbei zu huschen. Nach etwa 200 Metern ging es nach links in Richtung Alexanderplatz um dann Kurs auf die Straße „Unter den Linden“ zu nehmen. Und ich muss schon sagen: Es war einfach nur beeindruckend. Die Zuschauer auf diesem Abschnitt standen zum Teil in 3er Reihen am Straßenrand und zu den Kulissen muss ich ja wohl nichts sagen, oder? Bei Kilometer 3 ging es dann langsam auf das Brandenburger Tor zu – Video. Das Tempo war mit 5:20 Min/km für mich angenehm und so konnte ich mein Handy rausholen und ein Video vom Durchlauf machen. Es war einfach nur fantastisch, durch dieses Tor zu laufen, welches bis zu meinem 22jährigen Lebensjahr die Teilung der beiden deutschen Staaten definierte und wo niemand durch durfte. Nach dem Tor sah ich hinten die Siegessäule, dass war eigentlich auch der Abschnitt, der mir im Vorfeld einiges an Kopfschmerzen bedeutet hatte. Bis zum Ernst-Reuter-Platz ging es nun bis zum Kilometer 6,5 nur noch geradeaus. Doch das war eigentlich kein Problem, ich wurde mit meiner Zeit von  unter 5:30 von der Masse mitgezogen und dieses Tempo empfand ich als langsam.

bis zum Kilometer 10:

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hinten die Siegessäule…

Kurz nach dem Kilometer 5 kam dann auch die erste Verpflegungsstelle, die ich ausließ, da ich schon genügend getrunken hatte. Überhaupt trinken: Es machte sich bei mir schon die Sonne bemerkbar. Ich tropfte wie zu besten Hochsommerzeiten und meine Trinkbeutel waren auch schon zur Hälfte leer, doch noch war das kein Problem, auch als wir am Charlottenburger Schloss ankamen und links in ein Wohngebiet abbogen (Kilometer 9). In dem Wohngebiet war auch der erste kleine Schattenabschnitt. Links und rechts von mir hörte ich immer wieder, dass es meinen Läufer-Kollegen genauso ging: Jeder noch so kleine Schatten wurde genutzt um mal kurz durchzuatmen. Bei Kilometer 10 hatte ich eine mittlere 56 Minuten auf der Uhr und ich wunderte mich schon darüber. War ich nicht letzte Woche noch eine 53 Minuten über diese Distanz gelaufen? So ein Mist, dachte ich, wie würde das nur enden?

bis zum Kilometer 15:

Den nächsten Trinkstand bei Kilometer 11 nahm ich dann mit, machte kurz Pause, schnappte mir zwei Wasser – eins für den Mund und eins für den Rücken – und weiter ging es. Trotz des Stopps war ich immer noch unter 6 Minuten unterwegs, und doch schwante mir Böses: Wenn ich jetzt nicht schneller werden würde, könnte ich mein Ziel, unter 2 Stunden zu laufen, begraben… Und so war es leider auch. Die Sonne und der fehlender Schatten in den breiten Berliner Straßen machten mir zunehmend zu schaffen.

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Kurfürstendamm

Mehr schlecht als recht schleppte ich mich durch die Straßen. Mein Tempo zu dieser Zeit? Ich war schon auf über 6 Minuten den Kilometer angelangt. War ich bei 10 noch guter Dinge, dass ich die 2 Stunden Grenze knacken könnte, nun wusste ich es besser: Es war vorbei, es war nicht mehr zu schaffen. Ich nahm mir daher vor, den Lauf ein wenig mehr zu genießen, links ging es dann in den Kurfürstendamm. Und wenn es einer Steigerung bedurft hatte, hier waren es noch einmal mehr Zuschauer. Es war einfach nur Wahnsinn. Im Mittelstreifen, der leicht erhöht war, standen die Zuschauer in dreier oder vierer Reihen und feuerten uns Läufer frenetisch an. Ich hörte öfters ein „Marco, auf geht’s“ oder so ähnlich, was mich sehr gefreut hat mich aber leider nicht mehr motivieren konnte. Bei Kilometer 13,5, an der Gedächtniskirche, bog ich nach rechts auf die Tauentzienstraße ab und es ging wieder in Richtung Osten. Als wir dann am Ende der Straße links in die Straße „An der Ulane“ abbogen begann ein kleiner Abschnitt mit Schatten. Ich glaube es war der erste erwähnenswerte Abschnitt, wo man nicht durch die Sonne laufen musste. Bei Kilometer 15 hatte ich nur eine Zeit von 1:27 hingelegt. Im Training war ich an dieser Stelle etwa 5 Minuten schneller gewesen.

ab Kilometer 15:

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kurz vor dem Ziel

Nun wurde ich immer langsamer und es galt nur noch irgendwie durch zu kommen. Jeden noch so kleinen Schattenabschnitt nutzte ich aus und auch die Erfrischungsstellen wurden von mir intensiv begutachtet. Ich war nach 17 Kilometern so fertig, dass könnt ich euch gar nicht vorstellen, wobei es munter im Berliner Sighseeing-Programm weiter ging. Ein Höhepunkt war natürlich der frühere Checkpoint Charlie bei Kilometer 18,5 und die Durchquerung des Potsdamer Platzes, an den ich mich aber mal so gar nicht erinnern kann. Ich staarte zu diesem Zeitpunkt immer nur den „Alex“ an, der das Ziel für mich markierte und der immer näher kam. Ich war wieder einigermaßen gut unterwegs und lief wieder knapp über sechs, was mir natürlich auch nicht mehr sonderlich helfen konnte. Kurz vor dem Ziel passierte es dann: mein linker Muskel fing wieder an zu zucken. Ich hörte sofort auf zu laufen, die Zuschauer schrien mich an, dass ich jetzt so kurz vor Schuss nicht aufhören durfte, und sie hatten Recht: Nach der nächsten Kurve sah ich in einer Entfernung von 100 Metern das Ziel. Ich trabte wieder und erreichte mit hoch erhobenen Händen die 21.0975 Marke in etwas mehr als 2:07 Stunden.

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im Ziel

Nach dem Rennen:

Da war nicht mehr viel bei mir. Ich war einfach nur noch glücklich, dass ich im Ziel war, holte mir meine Medaile ab, schnappte mir viel Wasser, Zuckertee und eine Banane und zog mich hinten bei den Trucks dann noch ein wenig um. In der S-Bahn zum Hotel sah ich dann dauernd meinen Wade zucken. Nächstes Mal werde ich mir Kompressionsstrümpfe anziehen. Um 17 Uhr hob dann pünktlich mein Flieger ab und um 19 Uhr war ich wieder zu Hause. Abends hatte ich wegen meinen Muskelkater Einschlafprobleme und am Montag musste ich mir einen halben Tag Urlaub nehmen, weil ich die Treppen in der Firma fast nicht hoch kam. Aber ich hatte es ja so gewollt…Also nicht jammern.

Fazit:

Wer Läufer ist, und es irgendwie hinbekommen kann dort die 21 Kilometer zu schaffen, sollte sich dieses Event nicht entgehen lassen. So was muss jeder Runner einmal erlebt haben. Ich bin immer noch tief beeindruckt von der Strecke, von den Zuschauern und von der Orga, die sich sehr um uns gekümmert haben. Warum ich am Ende so eingebrochen bin, kann ich mir nur mit der Sonne und dem fehlenden Schlaf erklären. Nächstes Jahr bin ich wieder mit dabei.

halbmarathon2014_621,5 Kilometer – 2:07:51 – Schnitt 5:57
20 km – 1:57:08
15 km – 1:27:02
10 km – 56:10
5 km – 27:25

Netto 2:07:47
Platz 14256 von 29114 (laut Ergebnisliste sind nur 22151 ins Ziel gekommen)

 

 

2 Kommentare

  1. heiderunner sagt

    Glückwunsch, Marco! Traum erfüllt. Und sei froh, dass du dein Ziel nicht geschafft hast. Als ich meinen HM unter 2 Std abgeschlossen habe, bin ich in ein Motivationsloch gefallen.
    Gutes Terrain für HM<2Std ist übrigens der Martinslauf im Hasseler Forst. Zwar fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aber schöne flache Strecke.

    Viel Spaß, Erfolg und weiterhin alles Gute
    der Heiderunner

    • Marco sagt

      Danke… Ja, das mit dem Hasseler Forst habe ich auch schon gehört, kann ich mir aber gar nicht vorstellen. ich bin kein Waldläufer und schon gar nicht vor gefühlten 0 Zuschauern. Bin im Moment am überlegen, ob ich nicht Mitte Oktober nach Amsterdam fahren soll…

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